Die Geschichte kennt keine kleinen Energieschocks –
und warum Krieg nicht gleich Krieg ist
Die Geschichte des Ölmarkts zeigt, was geopolitische Energiekrisen tatsächlich bedeuten: nicht ein paar nervöse Dollar Aufschlag, sondern den möglichen Übergang in ein neues Preisregime. Historisch reichte das von rund 1 bis 2 Dollar je Barrel um 1970 über mehr als 11 Dollar nach 1973/74 bis auf rund 35 Dollar infolge der Iran-Krise 1979/80. Für professionell handelnde Marktteilnehmer ist genau das der entscheidende Punkt. Der Ölmarkt bewegt sich in geopolitischen Ausnahmemomenten nicht elegant, sondern sprunghaft. Solange die Lage beherrschbar wirkt, handeln viele Marktteilnehmer in normalen Bandbreiten. Kippt die Lage jedoch in einen glaubwürdigen strategischen Schock, endet nicht nur die Ruhe, sondern häufig das bisherige Preisregime insgesamt.
Der Ausgangspunkt war damals extrem niedrig. Um 1970 lag Öl noch auf einem Niveau von rund 1 bis 2 Dollar je Barrel. Nach dem ersten großen Schock im Umfeld von 1973/74 sprang der Markt auf über 11 Dollar. Der zweite Schock im Umfeld der islamischen Revolution im Iran trieb den Preis dann bis in eine Zone um 35 Dollar je Barrel. Entscheidend daran ist nicht historische Folklore, sondern die Größenordnung des Regimewechsels: von einem sehr niedrigen Ausgangsniveau erst auf ein neues Hochplateau und danach in eine nochmals deutlich höhere Preiszone.
Inhalt:
- Diese Energiepreisschocks sind kein Unfall
- Temporärer Kriegsschock vs echter Systemregimewechsel
- Aus 60 bis 70 Dollar wird ein neues Preisregime und warum dreistellige Ölpreise keine Extremfantasie sind
- Der Energieschock frisst sich durch das ganze System
- Die alten Gegenmittel greifen nicht mehr
- Wir betreten ein Terrain ohne historische Blaupause
- Kleiner Exkurs: die Gold-Öl-Ratio
- Wermutstropfen